Die deutschsprachige Beschneidungsdebatte im 19. Jahrhundert

Zusammenfassung Im vorliegenden Artikel wurden drei Phasen vorgestellt, in denen liberale Juden jeweils unterschiedliche Neubestimmungen der Brit Milah vornahmen. In den 1840er Jahren wurde sie von ihnen als irrelevant für das Judesein gedeutet. In den darauffolgenden Jahrzehnten waren Bemühungen er...

Ausführliche Beschreibung

Bibliographische Detailangaben
Veröffentlicht in:Aschkenas. - Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, 1991. - 13(2003), 1 vom: 08. Dez., Seite 189-209
1. Verfasser: Hödl, Klaus (VerfasserIn)
Format: Aufsatz
Veröffentlicht: 2003
Zugriff auf das übergeordnete Werk:Aschkenas
Beschreibung
Zusammenfassung:Zusammenfassung Im vorliegenden Artikel wurden drei Phasen vorgestellt, in denen liberale Juden jeweils unterschiedliche Neubestimmungen der Brit Milah vornahmen. In den 1840er Jahren wurde sie von ihnen als irrelevant für das Judesein gedeutet. In den darauffolgenden Jahrzehnten waren Bemühungen erkennbar, die Beschneidung mit bürgerlich-gesellschaftlichen Standards der Ästhetik in Übereinstimmung zu bringen. Seit den 1890er Jahren gab es eine neue Wertschätzung der Brit Milah. Diese erfuhr sie allerdings nicht als ein religiöses Bundeszeichen, sondern als ein säkularisiertes nationales Merkmal. Alle drei Formen des nichttraditionellen Umgangs mit der Brit Milah spiegeln die Assimilations- und Akkulturationshoffnungen aufgeklärter Juden wider. Sie geben Einblick in die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden und Aufschluß über die Verfassung des Judentums. Sie zeigen auch, wie sehr die Selbstdefinition der Juden durch eine Außenperspektive bestimmt war. Die Beschäftigung mit der Brit Milah kann somit nicht als ausgefallenes wissenschaftliches Interesse erachtet werden, sondern bringt viel über die Verfassung des zeitgenössischen Judentums zutage. Wenn Fragen nach der Einhaltung des Sabbats oder der Bedeutung der Mikwe Gradmesser für die jüdische Identität sein können, dann umso mehr die Haltung zur Beschneidung.
Beschreibung:© Max Niemeyer Verlag GmbH, Postfach 2140, D–72011 Tübingen, 2003
ISSN:1016-4987
DOI:10.1515/ASCH.2003.189