| Zusammenfassung: | Als die Rezensentin dieses Buch auspackte, war sie befremdet. Und der markante Schutzumschlag (für den niemand namentlich verantwortlich zeichnet) ließ sie noch lange ratlos. Erst spät begriff sie den Grund ihrer Verwirrung: Durch die Farben und den Keil mit integriertem Schriftzug »Wehr Dich!« weckt der Umschlag Assoziationen an El Lissitzkys berühmtes Plakat aus dem russischen Bürgerkrieg: »Mit dem roten Keil schlage die Weißen!« Aber diese Farben sind, besonders durch die hier gewählte Proportion (von dominierendem Rot, schwarzem flachen Keil und dessen schmalem, weißen Hintergrund), zugleich die der Hakenkreuzfahne! Auf diesem Hintergrund läßt die an eine Landsknechtlegende aus dem dreißigjährigen Krieg anküpfende Parole »Hundsfott, wehr Dich« von 1895 in erster Linie an den Kampf des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen den Nationalsozialismus denken. Insofern spannt der Umschlag zwar die Gründungszeit des Vereins und den Höhepunkt seines Kampfes gegen den Antisemitismus und Rechtsextremismus zusammen – spiegelt aber nicht den Inhalt des Buches, das im wesentlichen die Diskussion über das jüdische Selbstverständnis innerhalb des Centralvereins und in Auseinandersetzung mit seinen jüdischen Gegnern nachzeichnet: eine Diskussion, der die klaren Linien des Umschlages fehlen, ein »unaufhörliches Ringen um eine neue deutsch-jüdische Identitätsbestimmung« (10), das mehr die Bedrängnis der Juden als einen Erfolg im Kampf gegen den Antisemitismus zeigt. Der Keil ist flach und stumpf: Es fehlt ihm die Spitze.
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