Die Bayerische Vereinsbank zwischen Resistenz und Gleichschaltung 1933–1945

Die Forschung hat bisher vor allem die Großbanken im Nationalsozialismus ins Visier genommen. Sparkassen und Regionalbanken wurden dagegen weitgehend ignoriert, obwohl sie auch damals beträchtliche Teile des Geldgeschäftes abwickelten. Horst Möller, der langjährige Direktor des Instituts für Zeitges...

Ausführliche Beschreibung

Bibliographische Detailangaben
Veröffentlicht in:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. - [Berlin] : De Gruyter Oldenbourg, 1953. - 63(2015), 1, Seite 1-32
1. Verfasser: Horst Möller (VerfasserIn)
Format: Aufsatz
Sprache:English
Veröffentlicht: 2015
Zugriff auf das übergeordnete Werk:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Schlagworte:Die Bayerische Vereinsbank im Dritten Reich Paul Reusch und die Bayerische Vereinsbank Banken im Nationalsozialismus
Beschreibung
Zusammenfassung:Die Forschung hat bisher vor allem die Großbanken im Nationalsozialismus ins Visier genommen. Sparkassen und Regionalbanken wurden dagegen weitgehend ignoriert, obwohl sie auch damals beträchtliche Teile des Geldgeschäftes abwickelten. Horst Möller, der langjährige Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, beschreitet mit seiner Untersuchung der Bayerischen Vereinsbank 1933 bis 1945 ganz neue Wege. Das Ergebnis ist frappierend: Der Bayerischen Vereinsbank, einer der größten bayerischen Regionalbanken, gelang es bemerkenswert lange, ihre Autonomie weitgehend zu bewahren und sich dem Gleichschaltungsdruck des NS-Regimes zu entziehen. Maßgebend dafür waren bis 1938 der Ruhrindustrielle Paul Reusch und die jüdische Mendelssohn-Bank, die als Minderheitsaktionäre Klima und Kultur der Bank mitprägten, und nach ihrer Verdrängung couragierte Bankfachleute, die noch im Krieg auf ein gewisses Maß an Eigenständigkeit pochten - nicht erfolglos, wie Horst Möller zeigen kann. During the Nazi dictatorship, what consequences did bank policy and bank supervision have for the hitherto barely scrutinised regional banks? Did a form of “self-Gleichschaltung” [bringing oneself into line with Nazism] occur - as it did in many other social fields - or did the banks seek areas with room to manoeuvre? What consequences did staff policy have for the filling of positions in management and on the supervisory board? In the case of the Bayerische Vereinsbank, which serves as an example here, the management and supervisory boards succeeded for a considerable length of time - approximately until 1938 - to preserve their autonomy. Courageous senior members and the two major shareholders - the Gutehoffnungshütte and the Mendelssohn-Bank - played a decisive role in this regard, especially Paul Reusch, head of the supervisory board between 1936 and 1938. But even after the Gleichschaltung action of 1938, in which the Nazi regime forced these two major shareholders out of the Bayerische Vereinsbank, which was denounced as a “Jewish bank”, management and the supervisory board continued to put up a fight against any further limitations of their autonomy despite the 1938 influx of Nazi personnel and further intensified pressure by Nazi functionaries in 1942/43. Until the end of the war, bank management succeeded in at least preserving some partial autonomy through their highly skilled actions: This shows, to what extent Resistenz [immunity to full-scale integration into National Socialism] was possible.
ISSN:0042-5702
DOI:10.1515/vfzg-2015-0001