Programmieren mit dem Klassenfeind : die Stasi, Siemens und der Transfer von EDV-Wissen im Kalten Krieg

Der Kalte Krieg und die deutsche Teilung liefern eine Fülle tragischer, komischer, verschlungener und geheimnisvoller Geschichten. Eine davon erzählt Rüdiger Bergien, der einer verdeckten, die Grenzen der Legalität strapazierenden Kooperation zwischen dem Siemens-Konzern und dem Ministerium für Staa...

Ausführliche Beschreibung

Bibliographische Detailangaben
Veröffentlicht in:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. - Berlin : De Gruyter, 1953. - 67(2019), 1, Seite 1-30
1. Verfasser: Bergien, Rüdiger 1977- (VerfasserIn)
Format: Online-Aufsatz
Sprache:German
Veröffentlicht: 2019
Zugriff auf das übergeordnete Werk:Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Schlagworte:Wirtschaftsbeziehungen Informationstechnik Kommunikationstechnik Technologie Wissenschaft Internationale Kooperation Unternehmen Datenverarbeitung Hardware Software mehr... Programmierung Technologietransfer Digitalisierung Beruf Wissenschaftstransfer Berufliche Fortbildung
Beschreibung
Zusammenfassung:Der Kalte Krieg und die deutsche Teilung liefern eine Fülle tragischer, komischer, verschlungener und geheimnisvoller Geschichten. Eine davon erzählt Rüdiger Bergien, der einer verdeckten, die Grenzen der Legalität strapazierenden Kooperation zwischen dem Siemens-Konzern und dem Ministerium für Staatssicherheit nachspürt. Wie der Potsdamer Historiker auf der Basis bislang unbekannter Quellen zeigen kann, profitierten beide Seiten von diesem Geschäft mit Großrechnern, Programmen und Peripheriegeräten aller Art. Siemens gewann einen guten Kunden und ein „Versuchskaninchen“ beim Einsatz neuer Software; der Staatssicherheit gelang mit westdeutscher Hilfe dagegen der Sprung ins digitale Zeitalter – freilich um den Preis lästiger Abhängigkeit bei Systempflege und Schulung, den Ost-Berlin bis zum Fall der Mauer zu zahlen hatte.
Siemens computers in the service of the Stasi - this reminds us of illegal transfers of technology and of how the East German Ministry of State Security (Ministerium für Staatssicherheit, MfS, colloquially known as the Stasi) used intricate methods of spying and smuggling to gain possession of western high-tech. In 1970, however, the Siemens West Berlin branch office delivered three of their most modern mainframes quite officially and with the blessing of the West German government to East Berlin’s Wuhlheide, the location of the front company disguising the computing centre of the Stasi. Technicians, programmers and Siemens sales personnel even provided “IT support” for Department XIII of the MfS and delivered spare parts, new software versions and peripheral equipment. Yet while Siemens was unsuccessfully waiting for follow-up orders from the GDR, Western technology enabled the Stasi to jump-start its moves towards digitalisation, which provided it with a leading place in comparison to its Eastern “sister state security services” until 1989.
Beschreibung:Enthält Literaturangaben
ISSN:2196-7121
DOI:10.1515/vfzg-2019-0001